Ringelnatter, Natrix natrix
Die Ringelnatter
Zu den eher "häufigen", völlig ungiftigen Reptilien im Naturgarten zählt die Ringelnatter. Reptilien und Amphibien sind heute in Mitteleuropa stark unter Druck geraten, weil die Lebensraumzerstörung schnell voranschreitet. Es gehört heute schon zu den großen Glücksfällen, wenn lebende Reptilien und Amphibien in freier Natur noch angetroffen werden können.
Die Schuppen des Körpers sind gekielt (Bild). Der Nacken weist jederseits einen weißen oder gelben, halbmondförmigen Fleck auf, der dahinter von einem schwarzen Fleck begrenzt wird. Es gibt jedoch auch immer wieder schwarze Farbmutationen, die völlig schwarze Exemplare hervorbringen können. Weibliche Schlangen erreichen Längen um die 150 cm.
Die Ringelnatter ist häufig in der Nähe von Wasser anzutreffen, da sie gerne am und im Wasser jagt. Sie ist eine ausgezeichnete Schwimmerin und jagt Fische, Reptilien und auch andere Tiere. Die Ringelnatter ist völlig harmlos und sucht meist schon das Weite, bevor man sie überhaupt zu Gesicht bekommt. Bei Gefahr kann Sie jedoch auch einmal zuschnappen, pfauchende Töne von sich geben und ein stinkendes Sekret absondern. Das macht sie aber nur unter arger Bedrohung, also schon in Notwehrsituationen.
Die Ringelnatter ist eierlegend. Im Juli-August, durch die Klimaerwärmung vielleicht auch schon im Juni, werden von den Weibchen 50-60 pergamentschalige Eier in Laub und Schilfhaufen gelegt. Die Schlangen werden von Igeln, Seefröschen, von verschiedenen Greifvögeln, Füchsen, Reihern, Hechten und Barschen gejagt. Vermutlich lässt sich diese Liste aber noch wesentlich erweitern.
Ringelnattern gehören dringend in funktionierende Ökosysteme, da sie zu einer gesunden Fisch- und Amphibienpopulation in und an Gewässern beitragen.
Zauneidechse
Zauneidechse, Lacerta agilis
Die Zauneidechse ist von der Ebene bis hin ins Hügelland relativ häufig. Die Eidechsen können bei kühler Morgenluft häufig nicht rasch genug vor Fressfeinden fliehen, da sie zu den wechselwarmen Tieren zählen. Katzen haben da einen gewissen Vorteil.
Die Zauneidechse ist graubraun bis braun gefärbt und besitzt jederseits ein Band aus dunklen Flecken, die in der Mitte eine helle Stelle zeigen. Bei den Männchen ist der Bauch im Frühling grünlich gefärbt. Zauneidechsen lieben, wie auch alle übrigen Reptilien, die Wärme. Um auf die richtige "Betriebstemperatur" zu kommen müssen sich diese Tiere in die Sonne (Bild) oder auf warme Steine legen.
Im Frühsommer legt das Weibchen die Eier an warmen Stellen ab. Nach einigen Wochen schlüpfen dann die jungen Echsen. Zauneidechsen können bis zu 15 Jahre alt werden.
Eidechsen im Garten sind sicherlich ein Glücksfall, da sie sich von Würmern, kleinen Schnecken, Insekten und verschiedenen Larven ernähren. Eidechsen werden von Greifvögeln, Mardern, Rabenvögeln, Igeln und leider auch von unseren Stubentigern gejagt.
Alle Reptilien sind bei uns schon recht selten geworden. Zum Schutz dieser Reptilien sollte man versuchen an sonnigen Stellen eine Trockenmauer oder locker geschichtete Steinhaufen zu errichten und die eigenen Hauskatzen gut zu füttern, damit sie das tun was eine Hauskatze während des Tages eben tun soll, nämlich schlafen!
Die Klasse der Reptilien, Kurzinformation
Alle Vertreter der in Österreich und Deutschland, sowie in angrenzenden Ländern, heimischen Reptilien sind getrenntgeschlechtlich. Sie sind wechselwarm, das bedeutet, dass die Reptilien nur in einem geringen Umfang ihre Körpertemperatur regulieren können. Ist es kalt, fallen die Tiere in eine Kältestarre, ist es warm so findet man die Tiere häufig auf Steinen, wo sie versuchen ihre Körpertemperatur zu steigern. Nur bei höheren Temperaturen sind Reptilien wirklich aktiv. Eine Natursteinmauer ist also ein Paradies für Reptilien.
Die Tiere dieser Gruppe haben eine stark verhornende, trockene Haut. Die Haut zeigt Falten, bei denen die Oberseite und Unterseite verhornt ist. Man nennt diese speziellen Bildungen der Haut auch "Schuppen". Größere Schuppen oder Platten werden auch als "Schilde" bezeichnet.
Die Anordnung der Schilde und Schuppen, vor allem am Kopf, ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal, da die Farbe der Tiere stark variieren kann. Beispielweise habe ich auch schon völlig schwarze Ringelnattern gefunden. Schildkröten zeigen einen Panzer, der aus Hornschildern der oberen Hautschicht (Epidermis), Knochenplatten, der Wirbelsäule und Rippen aufgebaut ist.
Reptilien sind Fleischfresser (carnivor). Alle heimischen Echsen (Blindschleichen und Halsbandeidechsen) sind ungiftig.
Von den weltweit über 2000 Eidechsen Arten sind zwei giftige Arten in Nordamerika bekannt. Diese beiden Heloderma-Arten sind Heloderma suspectum und Heloderma horridum (=Gila monster). Sie sind reine Wüstenbewohner und haben eine plumpe Körpergestalt. Sie kommen im Norden Mexikos, Arizona und Südkalifornien vor.
In der Gruppe der Schlangen (Serpentes) hingegen finden sich bei der heimischen Kreuzotter (Vipera berus) und auch der Sandviper (Vipera ammodytes) Giftdrüsen. Bei nüchterner Betrachtung stellen die Giftschlangen in Europa aber keine große Gefahr für Menschen dar. Häufig werden die Unfälle aber selbst provoziert, beispielsweise durch "Fangversuche". Die Schlangen fühlen in solchen Situationen arg bedroht und schnappen schon einmal zu. Seltener sind wirkliche Unfälle, wo jemand auf ein Schlange steigt. Auch in diesen Fällen handelt die Schlange natürlich nicht "in böser Absicht" sondern versucht, ihren Instinkten folgend, ihr Leben zu verteidigen. Todesfälle nach Schlangenbissen sind in Europa, je nach medizinischer Grundversorgung, sehr selten. Nach eventuellen Bissen sollte man Ruhe bewahren und ärztliche Hilfe aufsuchen!
Alle heimischen Reptilien stehen unter Naturschutz!
Die Extremitäten wurden im Lauf der Evolution bei manchen Gruppen reduziert, wie etwa bei Blindschleichen und Schlangen. Bei den Arten mit gut ausgebildeten Extremitäten, trägt jedes Bein 5 Zehen mit Krallen.
Die Reptilien zeigen eine innere Befruchtung. Die Männchen besitzen eigene Begattungsorgane. Die meisten Reptilien sind Eier legend (ovipar), andere sind lebendgebärend (vivipar). Lebendgebärend sind beispielsweise die Bergeidechse (Lacerta vivipara), Ottern bzw. Vipern (Viperidae), Blindschleichen (Anguis fragilis) und auch die Schlingnatter (Coronella austriaca). Die frisch ausgeschlüpften Jungtiere sind den Elterntieren schon sehr ähnlich. Heimische Eidechsen werden mit ca. 3 Jahren, Schlangen mit ca. 5 Jahren geschlechtsreif.
Systematik der heimischen Reptilien
Klasse: Reptilien
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Familie: Testudinidae
Europäische Sumpfschildkröte, Emys orbicularis (selten!)
Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni
(in Österreich nur eingebürgert, in trocken-warmen Lebensräumen)
Ordnung: Schuppenkriechtiere, Squamata
Unterordnung: Echsen, Sauria
Familie: Halsbandeidechsen (Lacertidae)
Mauereidechse, Lacerta muralis
Bergeidechse, Lacerta vivipara
Zauneidechse, Lacerta agilis
Smaragdeidechse, Lacerta viridis
Familie: Schleichen (Anguidae)
Blindschleiche, Anguis fragilis
(Blindschleichen sind keine Schlangen!)
Unterordnung: Schlangen, Serpentes
Familie: Ottern oder Vipern (Viperidae)
Hornotter= Sandviper= Sandotter, Vipera ammodytes
Kreuzotter, Vipera berus
Giftig sind hier die Sandviper und die Kreuzotter.
Wiesenotter, Vipera ursinii
Familie: Colubridae (Nattern)
Würfelnatter, Natrix tesselata
Ringelnatter, Natrix natrix
Schlingnatter, Coronella austriaca
Äskulapnatter, Elaphe longissima